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>Pfarrer König

 

Oh Gott, Herr Pfarrer

 

Lokalpresse 02.05.2005

DITZINGEN. "Die Kirche lebt und ist jung", hat der neue Papst vor wenigen Tagen gejubelt. Der Alltag in den katholischen Kirchen vor Ort bietet wenig Anlass zum Jubel. Dort arbeiten die Priester an der Grenze der Belastbarkeit. Ein Besuch bei Alexander König in Ditzingen.

Von Verena Mayer

Manchmal gibt es Momente, da stellt sich Alexander König vor, wie es wohl wäre, wenn er eine geregelte Arbeitszeit hätte. Dienstbeginn um acht, Feierabend um sechs und dann einfach abschalten. Es gibt Momente, da wünscht sich Alexander König so einen geregelten Job, aber immer nur für kurze Zeit. Tief im Innern, sagt der Priester, würde er das nicht wollen. Tief im Innern pulsiert doch die Freude am Glauben und am Weitertragen des Wortes Gottes. Es sei ja nicht so, dass jeder Termin Arbeit sei, sagt König und denkt dabei an die Gemeindefeste oder Einladungen zu Geburtstagen und Jubiläumsfeiern. "Wir sind in der Knautschzone zwischen Arbeit und Vergnügen tätig."

Anstrengend sei es dennoch. Der Theologe kam vor rund zwei Jahren in die Ditzinger Kirchengemeinde St. Maria, zu der auch die Stadtteile Heimerdingen und Schöckingen gehören. Vor etwa fünf Jahren kam zu St. Maria in Ditzingen auch die Heiligste Dreifaltigkeit in Hirschlanden sowie St. Petrus und Paulus in Gerlingen. In dieser so genannten Seelsorgeeinheit mit der Nummer sieben müssen Alexander König und seine drei pastoralen Mitarbeiter Ohren, Augen und Zeit für 11 500 Mitglieder haben. Früher hatten Ditzingen, Hirschlanden und Gerlingen jeweils einen eigenen Pfarrer. Früher gab es die Personalnot nicht. Im ländlichen Raum, sagt der Leiter der Einheit Nummer sieben, sei es noch schlimmer. Da komme es vor, dass sich ein Pfarrer zwischen acht Kirchengemeinden zerreißen müsse.

Es ist 11 Uhr, das Ehepaar Winter steht im Raum. Alexander König bespricht mit den Winters den Gottesdienst zu ihrem goldenen Hochzeitstag in einer Woche. "50 Jahre, da hab ich ja immer Respekt", sagt der 36-Jährige und geht den Fragenkatalog durch: Welche Lieder sollen gesungen werden? Möchte das Paar noch mal die Ringe tauschen? Reicht ein Wortgottesdienst, oder soll es eine Eucharistiefeier werden? Die Winters antworten und erzählen dazu, wie das damals war bei der Hochzeit und dass sie sich jetzt extra neue Ringe bestellt haben. "Haben Sie noch Wünsche?" fragt König nach einer halben Stunde. "Ach ne", sagt Frau Winter, "Sie machen das schon."

 

Der Pfarrer lächelt, er freut sich über das Kompliment am Mittag. Sein Tag ist bald sechs Stunden alt, zwölf weitere werden bis zum Feierabend gewiss noch vergehen. Am Morgen hat er an der Realschule in Ditzingen Religion unterrichtet, am Nachmittag macht er Besuche im Altenheim und hält einen Gottesdienst, für 18 Uhr hat sich ein Brautpaar angemeldet, und um 20 Uhr beginnt der Ökumeneausschuss. Danach wird er seinen Unterricht vorbereiten. "Wir sind jetzt wirklich an der Grenze", sagt König. Noch mehr gehe nicht, man könne schon jetzt kaum mehr da sein, wo die Menschen sind. Wie am Wochenende zuvor: da wurde in Gerlingen eine Ausstellung eröffnet und in Ditzingen der neue Ministerpräsident empfangen. Wer nicht dabei war, war der Pfarrer. Er war mit den Hirschlandener Kirchengemeinde-räten auf einer Klausurtagung in Ellwangen. Das Thema: "Visionen und Perspektiven der Kirchengemeinden in den kommenden Jahren".

Das Telefon klingelt, Alexander König nimmt ab. "Ich wollte schon zurückrufen", sagt er. "Aber ich bin unterbrochen worden." Dann planen er und seine Gesprächspartnerin den "Dankeschönabend" für die Ditzinger Mütter, die die Erstkommunion vorbereitet haben. Italienische Vorspeisen soll es geben und Prosecco. "Da steigt die Stimmung", sagt König, der früher Hochschulpfarrer in Tübingen gewesen ist. Und bei guter Stimmung lässt sich vielleicht jene junge Dame eher zur Kandidatur für den Kirchengemeinderat überzeugen, die Alexander König schon lange dafür gewinnen möchte. In seiner Seelsorgeeinheit gibt es natürlich drei Kirchengemeinderäte, so wie es jeden Ausschuss dreimal gibt und die Pfarrbüros auch.

Die 34 katholischen Kirchengemeinden im Dekanat Ludwigsburg sind in 14 Seelsorgeeinheiten zusammengefasst. Zwei von ihnen sind zurzeit vakant: die Nummer 14, Freiberg-Pleidelsheim, und die Nummer 13, Remseck. Beide Pfarrer wechselten in eine neue Gemeinde. Die Kornwestheimer Einheit Nummer zwölf wird zurzeit von pastoralen und ehrenamtlichen Mitarbeitern geführt. Ihr Seelsorger hatte einen Zusammenbruch. Die viele Arbeit hatte die Gesundheit angegriffen, nun muss der Priester kürzer treten.

Als Alexander König groß wurde, gab es für jeden Ort einen Pfarrer. "Da war man voll und ganz aufgefangen", sagt der Mann, der Jahre später selbst dem "Ruf Gottes" folgte. Von dieser "märchenhaften, romantischen Vorstellung" habe er sich noch nicht ganz gelöst. Doch er weiß: "So wie damals wird es nie mehr werden."

 

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