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Alexander König freut der Zusammenhalt der Kirchengemeinde. - Er weiß aber auch, dass Aufbauarbeit notwendig ist. Foto: factum/Sanwald
Herr König, morgen ist Dreikönigstag. Die drei Könige
schenkten Jesus Wertvolles, ja unbezahlbares. Über welches unbezahlbare Geschenk
freut sich der Pfarrer der katholischen Gemeinde Ditzingen in dieser Zeit?
Es ist ein unbezahlbares Geschenk, dass die 200 Ehrenamtlichen nach dem
Juli-Hochwasser alles fortsetzen, was es davor schon gab. Mit Müh" und
Not haben wir einen Raum für die Sternsinger gefunden, in dem sie sich umziehen
können; ihre Gewänder sind gerichtet, sie haben neue Kronen bekommen. Alles
war im Keller gelagert und wurde im Hochwasser ruiniert. Das größte
Geschenk aber ist, dass die Kirchengemeinde zusammenhält.
Was hat das Wasser alles zerstört?
Das Untergeschoss des Gemeindezentrums stand bis zur
Decke unter Wasser, also auch der Vorratskeller, die WC-Anlage und der Heizungskeller.
Im Erdgeschoss stand das Wasser bis zur Sitzhöhe. In der Kirche ist der Granitboden
zerstört, der Boden muss ausgebaut werden.
Lässt sich die Höhe des Gesamtschadens schon beziffern?
Er beträgt mehr als 800 000 Euro. Davon ist ziemlich viel versichert. Doch
mit dem Umbau nimmt man Veränderungen vor, weil sie sich anbieten. Diese
Mehrkosten finanzieren wir aus den Rücklagen. Das größte Problem aber ist
das beschädigte Dach. Seit vergangenem Jahr steht fest, dass es saniert
werden muss, da die Dachträger ihre Traglast verringert haben. Die Kosten
von 300 000 bis 400 000 Euro sind nicht eingeplant und wir tragen sie
allein. An diesem Punkt merken wir, dass es finanziell eng wird.
Die Ursache für das beschädigte Dach liegt nicht im
Juli-Unwetter?
Wohl nicht. Wir können einen Zusammenhang aber auch nicht nachweisen.
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Bis wann sind Kirche und Gemeindezentrum wieder
hergerichtet?
Ostern wollen wir beides wieder nutzen. Die Dachsanierung wird schon im
Januar abgeschlossen sein. In der Kirche steht ein Gerüst, so dass man am
Dach arbeiten kann. Das muss zuerst gemacht werden. Denn wir dürfen das
Haus aus Sicherheitsgründen seit Sommer nicht mehr betreten.
Das Hochwasser hat nicht nur die Gebäude zerstört, auch die Gemeinde ist
zersiedelt, denn ihre Gruppen sind im Ort verteilt.
Die Gruppen, die Kreise, der Kirchenchor haben wieder einen Treffpunkt
gefunden, viele davon im evangelischen Johanneshaus. Die Schwierigkeit ist,
dass wir nicht offen einladen können, alle Katholiken, alle Christen, die
kommen mögen, um zu sehen, was hier gefeiert wird; dass wir sagen müssen,
es wird eng in der Kirche an Heiligabend beim Krippenspiel, haltet die Kirche
deshalb bitte frei für die Kinder. Die Gruppen treffen sich derzeit wie in
den 1940er und 50er Jahren, als die Gemeinde hier entstand. Oder sogar wie
im ersten Jahrhundert nach Christus, als die ersten Christen sich in den
Wohnhäusern der reichen Adligen getroffen haben und dort Gottesdienste feierten.
Es fehlt buchstäblich das Gemeindezentrum als ein Ort, an dem die Gemeinde
zusammenkommt.
Das Zentrum ist offenbar wichtig für die Gemeinde.
Ja, das habe ich jetzt gelernt. Ich merke, wie wichtig ein Ort ist, wo
Menschen, die sonst nichts haben, sich treffen können. Für diese können wir
derzeit nichts bieten.
Müssen Sie nach Abschluss der Bauarbeiten also erst Gemeinde-Aufbauarbeit
leisten?
In gewisser Weise schon. Wir wollen nach Pfingsten beginnen mit der Gemeindeerneuerung,
also einer Glaubensvertiefung. Sie war zwar sowieso geplant, aber wir
wollen das Haus mit einem neuen Geist in Betrieb nehmen. Zudem wollen wir
ein Programm für die Gemeinde entwickeln, um an Weite zu gewinnen, um neue
Menschen ins Haus zu holen.
Ist die Gemeinde aber nicht auch zusammengerückt - sinnbildlich gesprochen
in der kleineren Speyrer Kirche?
Auf jeden Fall. Die Solidarität ist groß. In der Not merkt man, wie man verbunden
ist mit Menschen in der Welt, denen es schlechter geht. In der Gemeinde
beklagt man sich nicht. Es darf improvisiert werden. Wir sind einfach froh,
dass wir zusammen sind. Zudem sind wir eine Freiluftgemeinde geworden: Die
Sonntagsblätter etwa, die die Austräger seither in der Kirche abholten, liegen
nun an der Kirchenmauer.
Welche Erkenntnis ziehen Sie persönlich aus dem Hochwasser?
Die Geborgenheit, die man gerne hätte, hat man nicht in einer großen Kirche
oder in einem Gemeindezentrum, sondern in einer kleinen Gruppe von
Gleichgesinnten innerhalb einer Gemeinde. Und für mich ist wichtig, dass
wir einladen können: Kommt und sucht Euch einen Platz in der Gemeinde, wo
es Euch gut geht.
Sie wollen weitergeben, was Sie jetzt auch bei den Protestanten erfahren haben?
Richtig. Ich genieße es, dass es so unproblematisch und unbürokratisch ist,
Räume zu bekommen - in der evangelischen Kirchengemeinde und in der Stadt.
Wenn wir unsere Räume wieder nutzen können, hoffe ich, dass wir auch ein
großzügiges Verhalten haben und sagen können: Die Räume sind da, füllt sie
mit Eurem Leben.
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